30 – at least it’s in Paris

Es ist ein ganz natürlicher Vorgang wenn man die Chance ergreift sich bei sich jährlich wiederholenden Ereignissen ein wenig Gedanken darüber zu machen, was man bisher in seinem Leben erlebt und erreicht hat. Der nächste logische Schritt ist auch die wahren Tatsachen mit den Erwartungen zu vergleichen, die man in unterschiedlichen Stadien seines Lebens an sich selbst gestellt hatte. Wenn man dies macht ist man:

a) zutiefst verstört darüber wie weit Erwartung und Realität voneinander liegen und
b) bricht man ob seiner eigenen Naivität unweigerlich in hysterisches Gelächter aus.

Ob man das wohl ernst meinte, damals? Oder tendierte man lediglich schon immer dazu selbstgeißlerisch unterwegs zu sein?

Für manche Leute ist dieses jährlich Ereignis der Geburtstag (Optimisten: „Noch ein Jahr gereift! Ich werde immer besser, wie guter Wein!“ – Pessimisten: „Na super, ein Schritt näher Richtung Grab. Macht nichts, das Problem können wir mit Wein ertränken.„), für andere wiederum Silvester („Dieses Jahr war Scheiße, das nächste wird GANZ BESTIMMT viel besser!“ – auch wenn es absolut keine handfesten Indizien dafür gibt dass dies wirklich zutrifft aber Optimisten gotta do what Optimisten do) und für andere sind es wiederum emotionsgeladene Feiertage (Weihnachten beispielsweise, da sind die Leute ja ganz besonders dünnhäutig und verweichlicht, wie auch schon die Spendenindustrie richtig beobachtet und für sich instrumentalisiert hat).

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Mein Übergeburtstag

Für mich war dieses Ereignis im letzten Jahr nicht nur irgendein Geburtstag, sonder DER Übergeburtstag.

Um ehrlich zu sein war es nicht unbedingt am Geburtstag selbst denn das wäre ja auch viel zu einfach und unsinnig, sondern lediglich die Wahrnehmung der sich nähernden Schockzahl hat schon gereicht um mir die Schweißperlen auf die Stirn zu treiben (ganz abgesehen davon, dass ich ja eh von Natur aus unsüßerweise Type „fleißige Gesichtsschwitzerin“ bin) und mir Schnappatmung zu verschaffen (my air was fucking away!).

Ist ja auch logisch, dass die 30 kein plötzlicher Knall vor den Kopf ist sondern ein sich anschleichender, hochinfektiöser Virus den man ankriechen kommen sieht und sich dennoch nicht wehren kann. Ich kann gar nicht so genau abstecken ab wann sich das abzeichnete, aber ich nehme an irgendwo zwischen 25 und 29 setzte die Erkenntnis ein, dass man sich einer Zahl nähert die man selbst noch gefühlt vorgestern als richtig alt befunden hat und dass man alles daran setzen müsse um es zu verhindern!

Ihr könnt Euch nicht vorstellen wie viele Shoppingzettel mit überteuerten Luxustgegenständen ich geschrieben habe, weil ich fest vorhatte darin meinen Altersschmerz zu ersticken… oder die Liste alkoholischer Getränke die ich am entsprechenden Tag zur mir nehmen wollte um zu vergessen… oder wie lange ich im Vorfeld ausführlich über diesen Übergeburtstag gesprochen und nachgedacht habe. Denn rund ein Jahr im Voraus begann ich mit der Tortur der Menschen in meinem Umfeld, die fast allesamt über 30 sind und mir versichert hätten, dass es wirklich nicht wehtut. Und dass ich endlich die Klappe halten solle da #aintnobodygottimeforthat und die 40 sowieso viel viel schlimmer sei. Pardonnez-moi – DAS ist nun wirklich doch noch so weit weg, dass ich mir darüber keine Gedanken machen muss… oder?!

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Was bedeutet das, dieses 30?

Das bedeutet, dass man vor 12 Jahren volljährig wurde. 12 – das ist so alt wie Mario Götze und Justin Bieber jetzt sind. Zusammen.

Das bedeutet, dass man noch die 8″ und 5.25″ Floppy Disks kennt die in vielen verschiedenen Regenbogenfarben daherkam und die lustig wobbelten wenn man sie schüttelte. Zu viel Spaß am Wobbeln führte allerdings auch zum instantanen Tod des magnetischen und durchaus instabilen Datenträgers, der ungefähr 1/100 einer heutigen MP3-Datei fassen konnte. Und wer hört eigentlich überhaupt noch MP3s?

Das bedeutet, dass man mindestens sein 10-jähriges Abijubiläum feiert, und wenn man seine ehemaligen Mitschüler und Kommilitonen sieht denkt „Daaaamn, they did not age too well… thank God this does not apply to me… or DOES IT?!“

Das bedeutet, dass man East17 noch live kennt und sich daran erinnert als die Bravo jeden Donnerstag noch 2,-DM kostete.

Das bedeutet, dass man noch versucht hat Sonja Zietlow beim Kabelkanal anzurufen was meistens nicht geklappt hat weil analoge Telefone langsame Arschlochtelefone waren, um zusammen mit ihr einen krass verpixelten Gnom durch eine nicht weniger verpixelte Moorgegend zu steuern (what the actual fuck? Wobei wir heutzutage am Smartphone die ganze Schokolade aufessen oder alles mit Marmelade einfärben, was wohl nicht weniger sinnlos ist sondern lediglich weniger verpixelt #clubderanonymencandycrusher).

Das bedeutet, dass man zum ersten Mal modische Trendwellen wiederkommen sieht und sich denkt „Oh, ich könnte doch mal meine alten Adidas Superstar im Keller suchen gehen, die sind ja wieder so super in„. DAS fühlt sich wirklich alt an, denn das ist typischerweise so ein richtiger Alte-Leute-Ausspruch. Und wenn man dann auch noch denkt „Oh, damals haben die aber keine 120€ gekostet sondern 70,-DM“ – das ist der finale Ritterschlag – herzlichen Glückwunsch, Sie sind nun wirklich alt!

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Die Zahl aus der Hölle – zumindest für Frauen die glauben sie wären noch 18

30 ist ja auch so eine richtig abgedroschene Marketingzahl die von der Werbeindustrie sowie von grantigen Familienmitgliedern dafür missbraucht wird einen so richtig fertig zu machen – wenn man nach 30 noch single ist kann man sich gleich in die Tonne kloppen, man ist so gut wie unfruchtbar und wird für immer eine alte Jungfer bleiben die niemand im tschechischen Altersheim besuchen wird, und wenn man bis 30 noch nicht alles erreicht hat – Porsche für die Berge und Range Rover für die Familienausflüge, Eigenheim inklusive Ferienwohnung an der Côte, einen steinreichen Ryan Reynolds Verschnitt von Ehemann auch wenn man selbst nicht annährend aussieht wie Blake Lively, zwei Kinder (natürlich am besten ein Junge und ein Mädchen, weil man ja auch seinen Uterus programmieren kann wie einen Thermomix), einen Golden Retriever, einen Privatjet, eine Chinesisch sprechende Nanny (die Kinder müssen ja schließlich totally competetitive sein hence advanced language skills) und trotz allem einen BMI von 19 und eine Haut wie eine 19-Jährige – dann ist der Zoch eh längst abgefahre und man kann sich gleich ins Grab legen und auf’s zeitige Ableben warten.

Für Männer gelten da vollkommen andere Maßstäbe – denn wow, sie sind gerade in dem Alter sowas von am Hochklettern auf ihrer Karriereleiter (Frauen die sich für Karriere entscheiden sind ja sowieso egoistische Weibsbilder die der Volkswirtschaft schaden und den anderen Leuten die Rente nicht gönnen, pfui, Leute die Rente wollen und keinesfalls trägt der Staat hier eine Mitschuld) und stehen mit einem halben Fuß schon im upper Management, Falten ersetzen langsam den Babyspeck und lassen sie weiser und lebenserfahren aussehen (wow, gehen die wohl auch pro-aging statt anti-aging Produkte kaufen?), die sich einschleichenden grau-melierten Haare an den Schläfen sind sexy und dürfen keinesfalls überfärbt werden und von der biologischen Uhr haben sie auch noch nie gehört. Na so ein Glück auch dass es gar nicht notwendig ist, denn Frauen hören es oft genug für alle!

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Leichte Beute: Sündenbock

Zu einfach und klischeehaft wäre es aber diese Stereotypen und den damit einhergehenden Druck auf die Werbeindustrie, nörgelnde Familienmitglieder oder andere Menschen zu schieben, denn ich bin zur Erkenntnis gekommen, dass es bei mir einzig und allein meine eigenen Stimmen im Kopf waren die all‘ diese Dinge gesagt, ja nahezu geschrien, haben. De facto hat kein Mensch in meinem Umfeld diese Dinge so in der Art ausgesprochen oder auch nur angedeutet, auch wenn wir natürlich wissen dass ein bisschen Wahrheit drin steckt.

Die Wahrheit ist aber auch dass Donuts, Frappuccinos und Bacon voller unfassbar schlechter Sachen sind und wir sie trotzdem essen (selbst die ominöse Spezies der Cleaneater cheatet mit Derartigem, habe ich mir sagen lassen) oder dass selbst nur 200€ absolut überteuert für eine Handtasche oder ein ein bisschen Kosmetik sind und wir trotzdem diese Dinge kaufen nur weil #irgendwerausdeminternetmademedoit. Oder eben dass die Zahl 30 nichts Besonderes ist. Sie ist eine Zahl wie jede andere Zahl vor der man keine Angst haben sollte (Chinesischsprachige würden jetzt lauthals schreien „NEIN, die 4 ist KEINE normale Zahl und man muss sehr wohl Angst vor ihr haben“ #supersuperstitious). Und die 40 im Übrigen auch nicht, aber das kann ich bis hierhin natürlich nur in der Theorie sagen.

Das ist natürlich wie immer im Leben einfacher gesagt als getan, aber ganz ehrlich: Wenn ich noch nicht mal blöde Kommentare über meine kinderlose aber dafür crazycatlady’sche Lebensweise von meiner asiatischen Familie (und diese kann bekanntlich sehr sehr nörgelig sein und überall ihren Senf hinzugeben) zu hören bekomme, dann kann ich es auch schaffen meine eigenen Stimmen auszustellen. Denn #aintnobodygottimeforthat.

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„Man ist so alt wie man sich fühlt“

Das kann ich so nicht unterschreiben, mitunter auch deswegen weil das so ein krass altbackener Spruch ist von dem ich mich distanzieren möchte da ich ja nicht alt bin, riiiight? 🙂 Er gehört so ungefähr in dieselbe Kategorie wie „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ oder „Der dümmste Bauer erntet die dicksten Kartoffeln.“ Denn man ist einfach so alt wie man ist und das ist auch gut so. Die Kunst liegt darin es zu akzeptieren und es sich nicht mit plakativen Sprüchen schön zu reden, denn das habe ich lange genug erfolglos getan. Ich fühle mich jeden Tag anders alt: Mental eher Richtung Team Götze-Bieber, körperlich befinde ich mich allerdings doch eher in der Kategorie Helmut Kohl… manchmal bin ich auch mental UND körperlich Helmut Kohl (don’t visualize… please).

Zu akzeptieren, dass es naiv war einst zu denken, dass man mit 23 voll ins Berufsleben einsteigen würde um dann 2 Jahre danach sofort Kinder zu bekommen. Es war töricht zu erwarten, dass man mit Mitte zwanzig charakterlich schon so gefestigt sein wird, dass man genau weiß was man will. Es dauerte für mich eine Weile zu spüren und zu verstehen, dass dies eine niemals endende Reise sein wird obgleich mir alle möglichen random, tattooesquen Konfuziusweisheiten natürlich sehr wohl bekannt sind. Es war nahezu dumm anzunehmen dass das Leben kontrollierbar wäre – denn es ist echt alles, aber nur das nicht!

Sicher bin ich Herr meiner Entscheidungen und meines Glückes Schmied (verdammt, jetzt habe ich doch eine altbackene Redewendung benutzt), aber da ich nicht Pippi Langstrumpf bin (sondern Helmut Kohl, apparently, oder doch Manuel Neuer?) und nicht alle Faktoren außer mir selbst und meinen Wünschen ausblenden kann, ist das Leben an vielen Stellen eben auch nicht unbedingt kontrollierbar sondern oft stattdessen ein Kompromiss. Das musste ich lernen zu akzeptieren.

Zu akzeptieren dass man loslassen lernen muss, die Dinge auf sich zukommen lassen muss und sich den Herausforderungen zu stellen die das Leben eben so mit sich bringt und diese vollends zu embracen. Und am Allerwichtigsten: Sich nicht selbst mit einem imaginären Alter Ego zu messen welches man vor Jahrzehnten für sich selbst zurecht geschustert hat, denn da kann man nur der Verlierer sein. Und wenn es schon einen Verlierer geben muss, dann würde ich lieber den Schwarzen Peter zu meiner 15 Jahre alten Blaupause schieben, als zu meinem jetzigen Ich. Ob das wohl schon mal ein guter erster Schritt in Richtung Selbstakzeptanz ist?

Mit dieser neu gewonnenen Weisheit und der besten „F*ck this shit“ Attitüde, wollen wir doch mal Folgendes nochmal versuchen…

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Was bedeutet das, dieses 30? (Bright side reload)

Das bedeutet, dass ich Schokolade zum Abendessen und Schnitzel zum Frühstück essen kann wenn es mir denn danach beliebt, und kein Mensch  mir diese Freude verbieten kann.

Das bedeutet, dass ich eine tolle Kindheit und Jugend hatte in der ich keine Smartphones oder Handys kannte, und mich deswegen mit dem Gummitwist, meinem Skateboard und den Nachbarskindern beschäftigen musste. Und es war toll! Nach wie vor bin ich der festen Überzeugung dass ich mit Smartphones einfach mein Studium niemals geschafft hätte und so bin ich ganz froh, dass ich noch rechtzeitig geschafft habe die letzte Generation zu sein die ohne Smartphone im Hörsaal saß.

Das bedeutet, dass ich Schallplatten, Kassetten, CDs und MP3s kenne und deswegen Spotify und Kohorten sehr viel besser wertschätzen kann als Jugendliche heutzutage. Die wissen ja wirklich nicht was für eine Qual und Zeitverschwendung das war über AOL und Modem bei Netscape eingewählt zu sein um sich über Napster eine MP3 zu suchen die nicht korrupt war und diese stundenlang downzuloaden. Und dieses ständige CD Brennen!

Das bedeutet, dass ich in diesem Alter schon viele geschichtlich relevante Dinge erlebt habe und mich beispielsweise sehr gut daran erinnern kann wie ich 9/11 wahrgenommen habe. Diese Geschehnisse sind zwar nicht immer schöner Natur, aber es ist wichtig und gut diese Dinge selbst erfahren und erlebt zu haben und sie nicht nur aus Geschichtsbüchern zu kennen.

Das bedeutet, dass es Kabelkanal nicht mehr gibt und dass das auch gut so ist. Und Sonja hat ja auch einen neuen Job gefunden. Hoffen wir nur, dass Hugo nicht auch noch ein Revival bekommt, denn den hat wirklich niemand vermisst.

Das bedeutet, dass ich noch die Originalausgabe von Arielle kenne in der Ursula sie nicht Schlampe nennt.

Das bedeutet, dass wir MTV und Viva noch aus Zeiten kennen in denen sie legendäre Reality Sendungen und Shows (Pimp my Ride! Next! MTV Unplugged! Interaktiv!) ausgestrahlt haben. Guckt das heutzutage noch irgendwer? Was läuft dort wohl?

Das bedeutet, dass ich entschieden habe ein Ritual einzuführen um mich selbst und mein Alter zu feiern, und dafür wie an meinem 30. Geburtstag im letzten Jahr nun jedes Jahr zu meinem Geburtstag nach Paris reisen möchte. Denn… wieso eigentlich nicht? 🙂 #definitelygottimeforthat #parisiennemythirtiesbitches

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Was sind Eure Gedanken zum Übergeburtstag? Seid Ihr pre- oder post Übergeburtstag? 😉

Met 30 jaar ouden groetjes
Eure Jettie

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22 Kommentare

  1. Ach Jettie,

    du sprichst mir so aus der Seele 🙂
    Noch bin ich pre-Übergeburtstag – aber nächstes Jahr ist es dann soweit.
    Und meine Gedanken sind ähnlich 🙂 es ist so herzerwärmend wie du schreibst und mich an meine Kindheit erinnerst 😀
    Wir waren doch alle gleich …
    Ein Leben ohne Smartphones, eins, wo man Abends noch weinen musste, weil man rein musste.
    Man quasi 24/7 vor der Haustür verbrachte und das Leben einfach nur toll war..
    Hach *in Erinnerungen schwelg*

    Danke Jettie für die Reise in die Vergangenheit 🙂

    Lieben Gruß
    Janina

  2. Post 30, drei Jahre drüber, um genau zu sein. Und ich habe beim Lesen immer nur WORD! WORD! WORD! gedacht. Mit Analog-Telefon bei Hugo anrufen und nie durchkommen? Stundenlang vor Papas PC sitzen, während der eine Song bei Napster runtergeladen wird (und dann kurz vorm Ziel abbricht? Genau so war es! Und ja, ich hab mir mein Leben mit 30 auch ganz anders vorgestellt, als ich 18 war. Aber eigentlich ist alles fein und wenn ich ehrlich bin: ich würde mein Leben mit niemandem tauschen wollen, und mit Blake Lively schon mal gar nicht!
    Hartelijke groetjes und alles Liebe,
    Katha
    P.S.: ich persönlich hätte diese Gedanken übrigens erst zum 31. Geburtstag. Dieses Gefühl, jetzt wirklich „in den Dreißigern“ zu sein…uaah!

  3. Sehr toller Post! Ich bin 28 Jahre und kann somit alles gut nachvollziehen.
    Du hast vergessen – Im Radio auf den Lieblingssong gewartet und auf Kassette aufgenommen -!
    Bis heute hab ich mir eigentlich noch gar keine Gedanken darüber gemacht, dass bald eine „3“ vorne steht. 🙂
    Liebe Grüße
    Na

  4. Geil geschrieben! Schön, dass du wieder bloggst!
    Ich werde im Sommer 37! Ich kenne MTV also noch aus Zeiten, in denen dort tatsächlich Musik lief! Ja, kaum zu glauben, aber das M stand tatsächlich mal für Music! Und Beavis & Butthead… kennt die noch jemand? Großartig! 😀

    Ich habe meinen 30. Geburtstag mit einem Riesen-Picknick im Park gefeiert. Und tue dies seitdem jedes Jahr und freue mich drauf. Erst jetzt und ganz langsam beschleicht mich das Gefühl, dass ich alt bin (körperlich! Mental auch immer noch eher Bieber/Götze :’D Meistens jedenfalls.), weil meine Tochter einfach mal 15 Jahre alt geworden ist vor 2 Monaten. FÜNFZEHN!!!!

    Aber ich weiß jetzt schon, dass ich meinen 40. Geburtstag mit Sicherheit wieder groß feiern werde…

  5. Hey Jettie,

    endlich wieder ein paar Texte von dir, die ich lesen und genießen kann, ich lieb(t)e deinen Schreibstil unheimlich.

    Ich bin post Übergeburtstag, schon 2 mal und eigentlich sehr froh darüber. Ich würde für kein Geld der Welt wieder 20 sein wollen. Es war lustig und verrückt, hat ne Menge Spaß gemacht, aber auch viel Blut und Tränen gekostet. Ich weiss heute wer ich bin und sein möchte, hab einen guten Mann, drei Katzen und hoffentlich auch bald ein Kind. Wenn nicht ist es auch kein Drama, dann mach ich „Karriere“ (wobei sich das nicht mehr gegenseitig ausschliesst heutzutage und auch bei mir nicht unbedingt). Ich habe aber auch eine beste Freundin die sehr darunter leidet schon 32 zu sein. Kein Mann, kein Kind, nur ne Katze und das obwohl sie es so gerne möchte. Für sie ist es die Hölle und sie ist sich sicher alleine und einsam zu sterben. Vielleicht bin ich auch teilweise deshalb so unglaublich zufrieden unterm Strich, ich sehe die andere Seite und weiss zu schätzen was ich habe.
    Ich wollte immer erwachen sein, Entscheidungen selbst treffen und mich nur vor mir (und dem Gesetz) rechtfertigen müssen. Ich freue mich auf die Reise die noch vor mir liegt und darauf mit jedem Jahr mehr ich selbst zu sein, weiser, erfahrener und älter.

    Alles Liebe Jettie und danke, dass du uns wieder teilhaben lässt.
    Julia

  6. Ein toller Artikel! Ich liebe deine Art zu schreiben. Witzig, selbstironisch, aber auch mit dem nötigen Ernst.
    Daumen hoch dafür!
    Ich werde dieses Jahr 30…allerdings im Dezember, mir bleiben also noch ein paar Monate Schonfrist.
    So richtig begeistert bin ich nicht davon, denn irgendwie fühle ich mich damit doch alt. Oder eigentlich nicht…eigentlich bin ich doch eher enttäuscht, wenn ich meine damaligen Vorstellungen und die Realität vergleiche. Ich wollte tatsächlich mit 24 fertig studiert haben, mit 25 verheiratet, bis zum 30. ein Kind haben. Hat wahnsinnig gut funktioniert 😉 Ich hab Jura studiert, das längste Studium das man wohl machen kann. Mit dem Studium bin ich zwar schon fertig, mache aber gerade noch das Rechtsreferendariat. Nächste Woche hab ich die Mündliche Prüfung für’s 2. Staatsexamen und dann bin ich erst endgültig fertig. Meine Traumvorstellung, in den 20ern zu arbeiten und damit Geld für Reisen zu haben…verpufft. Und verheiratet bin ich auch nicht, von Kindern ganz zu schweigen.
    Und dann denke ich mir, was solls? Ich will zwar unbedingt mal Kinder, aber wenn ich ehrlich bin, nicht jetzt. Noch will ich meine „Freiheit“. Und ich hab seit 5 Jahren einen tollen Freund, ob mit oder ohne Ring.
    Und auch wenn das jetzt auch ein dämlicher Spruch ist, aber 30 ist das neue 20. Stimmt so zwar nicht…wenn ich mir allerdings Fotos meiner Eltern anschaue, wie sie mit 30 aussahen, finde ich schon, dass unsere Generation jünger, frischer wirkt.
    Verhindern kann man die 30 eh…also arbeite ich weiter am akzeptieren 🙂 Die Idee zu verreisen finde ich gar nicht so schlecht. Da ich ja Mitte Dezember Geburtstag habe, haben da die meisten eh keine Zeit weil Weihnachten kurz bevorsteht, Winterferien, panische Geschenksuche in der Innenstadt muss betrieben werden oder such dir sonst eine dämliche Ausrede aus, die ich die letzten Jahre schon oft zu hören bekam.

    Eine nicht zum Thema passende Frage hätte ich noch: mit welchem Objektiv hast du die Fotos oben gemacht?

    Viele Grüße, Olga

    P.S. Manchmal vermisse ich Hugo 😀

  7. Erst einmal: ich freu mir gerade ein zweites Loch wohin, dass du wieder bloggst! Habe die drei Texte nun durch und habe tatsächlich laut gelacht und vor allem aber, mich selbst sehen können.
    Ich gehe so allmählich auf die 30 zu, habe keine Kinder, im Beruf weiß ich es auch noch nicht so recht. #angekommen wie manche so gerne schreiben bin ich noch lange nicht und werde es hoffentlich auch nicht so schnell, dafür reise und sehe ich auch viel zu gerne die Welt #auchindereconomyclass und gebe mein Geld für mich aus #habesjaauchverdient
    Danke für diese erfrischend ehrlichen (!) Texte.
    Fühl dich gedrückt!

  8. Toller Post der genau meine Stimmung trifft 😀 Noch bin ich Pre-Übergeburstag…in knapp 3 Jahren ist es soweit.Aber Familie und Freunde lassen mich das nicht vergessen

  9. Ich bin in der gleichen Situation wie du… seit ein paar Monaten 30 und auch ins Grübeln gekommen.
    Vor allem wegen der Sachen die einem als junger Mensch gesagt wurden über 30jährige.
    „Die is 30 und hat no ned a mal an Mann, die is überstaantig“ (bavarien for „schon über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus“)
    „Die hat keine Kinder, nein, die kann bestimmt keine Kinder bekommen oder ist so wählerisch bei den Männern“
    „Was die ist gerade mit dem Studium/2. Ausbildung fertig geworden? So eine faule…“
    „Die ist 30 und wohnt im Haus der Eltern! So eine merkwürdige … die wird sicher mal allein sterben“

    Hab das Gefühl in den 20igern hat man noch so eine Schonfrist, da ist noch alles möglich und muss noch nichts „fertig“ sein. Seiens die Kinder die Ausbildung oder die gute eheliche Partie.

    Und du hast Recht. Den größten Druck machen wir uns selber. Jetzt nervt mich keiner mit den unverheiratet/nochkeine Kinder/kein Haus gebaut – Sprüchen. Die bösen Stimmen sind nur in meinem Kopf und in meiner Erinnerung.

    Der wirkliche ich-fühle-mich-älter Moment war bei mir eh so mit 28. Da hab ich eine innnere Veränderung gespürt. Mit 30 hab ich gar nichts gefühlt. Nix is anders, nur die Stimmen sind neu die veruchen dir was einzureden.

  10. akafrauschmidt sagt: Antworten

    Ich hab meinen Übergeburtstag schon recht lange hinter mir und kann Dir daher aus Erfahrung versichern, dass auch die 40 nur eine Zahl wie jede andere ist. Außer dass ich öfter zu hören bekomme „40 ist das neue 30“ hat sich nicht viel geändert. Vor der 30 hatte ich aber auch keine komischen Gefühle. Es war nur merkwürdig, dass schon so viele Leute in meinem Bekanntenkreis über 30 waren – das hat mich irgendwie älter gemacht 😁 Mit 18+ hab ich immer gedacht, dass ich mit 30 verheiratet bin, Kinder habe, mein Leben in klassisch geregelten Bahnen verläuft. Ich hab es mir nie so gewünscht, ich hab halt nur gedacht „das ist halt so wenn man 30 ist“. Dann wurde ich 30 und nichts war so wie ich gedacht hatte, dass es sein würde – und es war trotzdem total ok, ich möchte mein Leben und mag es heute noch 😊 Und der große Vorteil des Älterwerden ist, das man immer entspannter wird. Man findet immer mehr seinen Platz im Leben, hat seine persönlichen Werte und Moralvorstellungen gefunden. Und man kennt sich selbst schon so lange und so gut, dass man sich selbst zu akzeptieren und lieben gelernt hat. Man ist nicht mehr so unsicher wie noch mit Anfang 20, mehr mit sich selbst im Reinen. Und das fühlt sich wirklich großartig an!

  11. eleganter hüpfer am ende 😀

    geburtstagsreisen sind eine grandiose idee – da spart man sich auch große feiern 😉 muss mal damit anfangen… (bloß nicht paris, da wohnt zu viel familie!)
    ich bin prä-übergeburtstagsdingens… hatte vorher auch gaaanz kurz ein bisschen panik und solche „sorgen“, aber eine größer werdende gelassenheit (oder wie heißt das, wenn einem am ende eh alles egal ist?) ist ja das beste am alter 😀

  12. Ich bin nun schon 35…FÜNFUNDREIßIG! Ich kann es selbst manchmal gar nicht glauben, dass ich mittlerweile schon so ein alter Sack bin! 😉
    Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht mehr, was ich mir früher so für Gedanken gemacht habe…ich weiß nur noch, dass mir die ab 30jährigen immer alt und wahnsinnig erwachsen vorkamen! Ja, sicher, das bin ich auch, aber gleichzeitig doch noch kindisch und spinnert. 🙂
    Jünger möchte ich gar nicht mehr sein, da müsste ich auf einige Erfahrungen verzichten, ich hätte auch nicht die Möglichkeiten, die ich heute habe. Obwohl…so ein knackiger Mittzwanziger-Körper? Da würde ich jetzt auch nicht nein sagen!
    Ich bin zufrieden mit meinem Leben! Ich habe das Glück, in sehr jungen Jahren einen jungen Mann kennengelernt zu haben, der die gleichen Ansichten und die gleichen Ziele hatte wie ich. Die haben wir konsequent abgearbeitet. Nun sind meine Kinder schon recht groß und jetzt habe ich wieder meine Freiheit. Und jetzt kommen die Reisen zu Zweit, das habe ich lange Zeit hinten angestellt. Und ich freu mich drauf! 🙂

  13. Was für wunderschöne Bilder! Darf ich nach deinem/ eurem Fotoequipment fragen?
    Dankeschön!

  14. MadameBonaparte sagt: Antworten

    Sehr schöner Artikel 🙂 Ich hab noch 2 1/2 Jahre bis zur 30, studiere aber immer noch. Bzw erst. Und immer denk ich mir so „omg du musst schneller studieren um mit 30 fertig zu sein“- aber ich muss halt auch nebenher arbeiten. Und im Endeffekt find ichs gut, dass ich erst so spät genau wusste, was ich wollte- nämlich Lehrerin werden. Ich glaub, dass ich auf meinem Weg hierhin viel gelernt hab und finde, dass ich den jungen Studis, die quasi direkt aus der Schule kommen, einiges voraus habe. (Merk ich auch immer wieder in Diskussionen, die haben einfach zu wenig Abstand, sind irgendwie immer noch SchülerInnen im Kopf).

    Den ganzen Stress wegen Kindern hatte ich noch nie, da mir immer klar war, dass ich keine will. Wenigstens eine Sorge weniger 😀

    Auch ich bin sehr froh, dass ich meine Kindheit noch ohne Smartphone/Handy erlebt hab. Ich weiß noch, in der Volksschule (Grundschule) hatte der Vater einer Freundin einen Computer! Der einzige in der Klasse. Manchmal wenn ich bei ihr war und wir brav waren durften wir sogar Petterson und Findus (ein Suchspiel, wenn ich mich recht erinnere) oder Asterix (ein Sidescroller) spielen *_* Aber den Großteil der Zeit haben wir mit den Meerschweinchen im Hof verbracht; oder ich und meine Nachbarinnen haben der Knickerbocker-Bande (kennt man die in Deutschland?) nachgeeifert und in der Nachbarschaft rumspioniert um Verbrechen aufzudecken…. War schon eine echt super Zeit 🙂

  15. Ganz genau so!!! 🙂

  16. Hallo Jette,
    Schön, dass du wieder schreibst. Im August ist es bei mir soweit… Ich hab mich bis heute nicht entschieden wie ich es angehen soll. Wird es der erste Geburtstag den ich seit meiner Grundschulzeit mal wieder „groß“ feiere, oder verziehe ich mich an einen schönen Ort (Paris ist eine schöne Wahl) und feiere, dass ich es geschafft habe diese Zahl zu erreichen 😉. Meine Zwillingsschwester macht es da richtig, die feiert in Thailand… Bei mir sind dann nur leider die Schulferien zu Ende und ich muss wieder arbeiten… Naja ein paar Wochen zum Überlegen hab ich ja noch.
    Liebe Grüße

  17. Danke!
    So ein wunderbarer Artikel!
    Was nervt dieses ganze Gehabe um eine Zahl [schrieb sie und hatte irgendwie doch schon die Angst vor der 4 im Nacken, obwohl noch in so weiter Ferne…], wir kennen noch Mixed Tapes!

    Relativ frisch Post-übergeburtstag und doch irgendwie froh, nicht allein zu sein.

  18. Da hat die blöde Autokorrektur aus Jettie einfach Jette gemacht 😢

  19. Ach Jettie, alles Liebe zum Geburtstag nachträglich! Was für ein schöner Text mit ebenfalls schönen Bildern. Ich habe noch knapp drei Jahre bis zur 30 und während ich erst ein wenig zu schlucken hatte, dass ich jetzt ENDE 20 bin (OMGichbinsoooaltundhabediesunddasnichtaufdiereihebekommen), habe ich inzwischen irgendwie eine weise Gelassenheit entwickelt, was bestimmte Dinge anbelangt, über die sich einige Freundinnen, die gerade mal 20 sind, noch aufregen. Ich bin mit mir selbst und darum auch mit allem um mich herum viel mehr im Reinen und würde allein deshalb schon nicht ein zweites Mal achtzehn sein wollen.

  20. Wie schön, Nostalgie! Ich bin froh, in den 90ern aufgewachsen zu sein 😀 Aber was ich einfach noch loswerden muss: In der Originalversion nennt Ursula sie trotzdem so (wusste früher aber gar nicht, was das ist). Bei dem Ausdruck war ich mir sicher, dass er im Remake wegfällt, aber nein 😉

  21. freu mich total dass du wieder bloggst :-)!

  22. Ein wirklich toll geschriebener Text. Ich hab letztes und dieses Jahr einige 30iger Geburtstage feiern dürfen (meiner ist noch 3 Jahre hin) und auch festgestellt, dass viele mehr Angst vor der 30 haben, aber wenn es dann tatsächlich so weit ist, alle eine Scheiß-drauf-jetzt-erst-recht Attitüde an den Tag legen und das finde ich auch gut so! Ich liebe Geburtstage und freue mich auf meinen 30igsten genauso wie auf meinen 21igsten 😉

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